andersneu
Donnerstag, 2. März 2006



[wir befinden uns in einem von berlins prominenteren friseursalons. anwesend sind der chef, geselle frank, auszubildender washington, weitere angestellte, mehrere wilmersdorfer witwen und helene in erwartung ihrer foliensträhnchen.]


frank: washington, hast du der kundin schon den kaffee gebracht?

washington: ich habe ihn gerade frisch aufgebrüht und werde ihn sofort bringen!

wilmersdorfer witwe 1: ach, washington, kommen sie doch mal her, ich habe ihnen etwas kuchen mitgebracht! für ihre kaffeepause!

washington: vielen dank, das ist aber lieb von ihnen!

der chef: gnarz.

wilmersdorfer witwe 1: ich kann ja nicht mehr alles essen wie früher! aber sie sind ja noch jung, sie können alles essen!

washington: ja.

wilmersdorfer witwe 2: sie sind noch jung.

washington: ja.

der chef: washington, mach das mal weg. alles voller haare!

washington: ja.

frank: washington, wo bleibt der kaffee!

washington: sofort!

wilmersdorfer witwe 1: da, wo sie herkommen, washington, sind die menschen ja viel glücklicher als wir.

wilmersdorfer witwe 2: da ist es viel wärmer.

washington: ja.

wilmersdorfer witwe 1: sie haben das leben noch vor sich, washington.

wilmersdorfer witwe 2: früher bin ich zu modenschauen gegangen.

der chef: gnarz.

frank: washington, der kaffee!


[washington verschwindet hinter dem vorhang, der den salon von der küche trennt. eine weitere wilmersdorfer witwe betritt das geschäft, in der hand hält sie eine grosse bäckertüte.]


wilmersdorfer witwe 3: hallo, hallo, ich will gar nichts. ich habe nur eine kleinigkeit für washington!

der chef: gnarz.

frank: WASHINGTON, KOMM MAL NACH VORNE!

wilmersdorfer witwe 3: für sie, mein lieber! für ihre kaffeepause! für sie und ihre freunde!

washington: vielen dank, das ist aber lieb von ihnen!

wilmersdorfer witwe 3: ich geh dann mal wieder!

der chef: auf wiedersehen.

frank: auf wiedersehen.

washington: auf wiedersehen!

wilmersdorfer witwe 1: friederike sieht aber schlecht aus!

wilmersdorfer witwe 2: sie sieht nicht gut aus.

wilmersdorfer witwe 1: sie sieht gar nicht gut aus.


[washington serviert kaffee. ich komme mir vor wie ein der konföderation anhängender plantagenbesitzer.]


der chef: mach mal die haare weg.

wilmersdorfer witwe 1: washington, waren sie dieses jahr schon im urlaub? ach, sie kommen aus einem so schönen land, da braucht man ja gar keinen urlaub.

washington: vielleicht fahre ich nächstes jahr nach hause.

wilmersdorfer witwe 1: das ist aber schön.

wilmersdorfer witwe 2: haben sie denn auch ein hobby?

washington: ich gehe gerne aus.

wilmersdorfer witwe 1: ah!

wilmersdorfer witwe 2: ah.

der chef: du kannst dann der kundin die farbe rauswaschen.

washington: ja.

frank: vergiss das geschirr nicht.

washington: ja.

wilmersdorfer witwe 2: früher bin ich zu modenschauen gegangen.

der chef: gnarz.


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favoritensterben.

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Suchen? Nicht nur das: Schaffen. Er steht vor einem Etwas, das noch nicht ist, und das doch nur er in seiner Wirklichkeit erfassen und dann in sein eigenes Licht rücken kann.


[dazu eine ganz persönliche erinnerung: mein vater, wie er meinen sich gerade in seiner rebellischen antiphase befindlichen großen bruder anbrüllt: DU HÄNGST DEN GANZEN TAG NUR IN DEINEM ZIMMER RUM WIE PROUST! SOLL ICH DIR VIELLEICHT DIE WÄNDE NOCH MIT KORK TAPEZIEREN ODER WAS !!!]

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