FACKELN IM STRUM (16)



der dichte rauch machte mich husten. die portiere, deren samtiges material den flammen erst widerständig, dann aber giftig schmorend sich dem feuer hingebend, war kein schutz für mich. keuchend taumelte ich in die mitte des saals.
krachen um mich: das holzgebälk der decke, jahrhundertelang nur mit tragen beschäftigt, jetzt ging es, als hätte es nie etwas anderes getan wie zunder im nichts auf. knacken und krachen, so brutal, so laut, so unaufhaltsam. jeder meiner atemzüge ein furchtbarer schmerz. ich weiss nicht mehr, was ich tat, meine erinnerung, sonst so getreulich, an diesem punkt der geschichte wird sie unklar. ich weiss nur noch, dass ich dachte: wo ist marie-louise?

ich hatte spät gelernt, dass sie marie-louise heisst. ich hatte spät gelernt, dass sie, genau wie ich, eine verwundbare person war. ich hatte spät, zu spät vielleicht, gelernt, dass sie ein mensch mit träumen und hoffnungen war (und wenn diese hoffnungen nur aus einmal-in-paris-tanzen bestanden, wer war ich, zu urteilen).

ich torkelte weiter durch das rotglühende inferno, funkenregen versengte mein haar. und ich fand sie als ein in laken verwickeltes bündel, sie war ohnmächtig geworden. "komm!", sagte ich, hustete ich, röchelte ich: "komm, komm, komm! wir müssen hier raus!", ich versuchte, sie hochzuzerren. "marie-louise!", sie sackte mir schwer in die arme. der rauch machte mir so zu schaffen und die hitze, diese unglaubliche hitze.

dann schwanden mir die sinne. ich kämpfte, aber etwas schwand um mich herum, ich bekam keine luft mehr. mein bewusstsein trieb dagegen, etwas, was mir befahl: los, los, los! du musst! doch der rauch in meinen lungen, er tat so weh. ich kämpfte, ich zerrte. meine entsetzliche hilflosigkeit und dann der gedanke: dann verbrenn ich eben, dann verbrenn ich eben....

plötzlich flüsterte eine stimme:

"heloise, ich hole euch heraus."

"heloise, ich mach das. dann lasst mich gehen."

"heloise, das ist meine gute tat. und dann müsst ihr selber weitersehen."

etwas hob mich, ich war ganz leicht plötzlich. dann fiel ich auf etwas, ich weiss es nicht mehr, auf etwas weiches, so wie wolken, wie kissen? hier setzt meine erinnerung ganz aus. ich weiss nur noch:

ulmen.

ulmen. bäume. richtige, wunderbare bäume. mit grünen blättern, so freundlich rauschend. und luft, köstliche luft.




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helene, Samstag, 22. Januar 2005, 17:39
lied der ulmen von drottendingdongholm

das schloss auf dem hügel,
sehr prächtig, zwei flügel!
ein kommen und gehen,
wir habens gesehen.
ding dong, ding dong, ding dong.


die konflikte so alt,
die familie so kalt!
ein dummes geschlecht,
geschieht ihnen recht.
ding dong, ding dong, ding dong.


so sind die menschen,
könnt anders euchs wünschen.
ihr hoffen, ihr streben,
ein blitzkurzes leben.
ding dong, ding dong, ding dong.


wir sind die bäume,
die hüter der träume.
wir bleiben bestehen,
da könnt ihr mal sehen.
ding dong, ding dong, ding dong.


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