1 über nacht hat jemand den karnevalszug entführt, ich bin mir fast sicher. die bunten, herrentaschentuchgroßen fähnchen, die vermutlich derselbe jemand an leinen quer über die strasse gespannt hat, flappen spöttisch im morgenwind.

2 wahnsinnig hehre kunst, wahnsinniger grammatikzwang, sofort wahnsinnigen weihrauchkopfschmerz bekommen.

3 er dachte, wenn wir kinder hätten, wären sie groß und schmal und bekämen häufig migräne.


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1 ihr rechtes knie sei das einer sechzigjährigen, sagt sie. kernspin. ihr linkes knie sei aber ganz normal, sechzehn. auch habe ihr vater schon mit zwanzig die knie eines fünfzigjährigen gehabt. ebenso seien die knie ihrer mutter früh zu alt gewesen. es läge in der familie.

2 400 g Weizenkleie, 1-2 EL Maismehl, 1 Sauerkirschzweig

3 naja, wie man sich moderne kunst ausdenkt. paar nägel rein, paar schnitte rein, bißchen blut.


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1
Es ist ein altes Buch zu blättern, Athen-Oraibi, alles Vettern.

2
der alte mann redet auf die junge frau ein. wir sitzen alle im wartezimmer, heute ist notfalltag, es geht nicht voran. er redet und redet und redet, sie hört höflich zu. eine alte dame hat mühe mit ihrem mantel, die junge frau springt als erste auf und bietet ihre hilfe an. der redner mustert die junge frau überrascht. sie sind nicht von hier, oder? er verstummt und rückt mit seinem stuhl ab.

währenddessen ist am empfang ein lauter streit ausgebrochen. ein mann beschimpft die sprechstundenhilfe aufs gröbste. halts maul! weil er nicht gleich dran kommt. vor der schimpfkanonade in sehr deutlichem deutsch tat er eine weile so, als würde er nicht verstehen und radebrechte herum. die kultur, in der man nicht auf eine arztbehandlung warten muss, muss meiner meinung nach aber erst noch erfunden werden.

blieb nur zu denken: arschlöcher, einfach alles arschlöcher. ob schwarz oder weiss oder kariert.

3

(aussenminister a.d.)


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leseliste war:

Marina Lewycka: A short history of Tractors in Ukrainian
Birgit Vanderbeke: Ich will meinen Mord
Fred Vargas: Der 14. Stein
P.D. James: The Lighthouse
Inge/Walter Jens: Katias Mutter
Plum Sykes: Bergdorf Blondes
Plum Sykes: The Debutante Divorcée
Nick Hornby: High Fidelity
Kerstin Grether: Zungenkuß
Elizabeth George: What came before he shot her
Jean Claude Izzo: Total Cheops
Helene Tursten: Der erste Verdacht
Erica Fischer/Simone Ladwig-Winters: Die Wertheims
J.M. Coetzee: Schande
Anonyma: Eine Frau in Berlin
Katharina Elliger: Und tief in der Seele das Ferne
Charles Lewinsky: Melnitz
Jonathan Franzen: The Discomfort Zone
Camilla Läckberg: Der Prediger von Fjällbacka
Sophie Kinsella: Shopaholic & Baby
Ingo Schulze: Simple Storys
Rocko Schamoni: Dorfpunks
Zwarwald: Elementartierchen
Marcel Proust: Im Schatten junger Mädchenblüte


der schönste schmöker war melnitz. schmöker, ich dachte, die gäbs gar nicht mehr. richtig gute krimis habe ich bis auf izzo und vargas keine gelesen, vargas fällt ab jetzt aber für mich unter fantasy. läckberg und james ganz schrecklich schlecht, george wird von buch zu buch unlesbarer. bei "eine frau in berlin" glaub ich auch an die theorie mit c.w.ceram. coetzee hat mir super gefallen. schulze auch. rocko schamonis buch überraschend traurig und ernst, aber lieb. sykes 1 fand ich fast unterhaltsam, sykes 2 einen sehr dünnen aufguß. beide werden locker getoppt in der sparte "grauenhafte frauenliteratur" von kinsella - die schlicht misogynen müll produziert. in der sparte "grauenhafte männerliteratur" bekommt zum ausgleich nick hornby den ehrenpreis für den größten langweiler. die wertheim-story wirklich gern gelesen. die jensens auch, die jensens sind zwar immer die jensens, aber dann doch halt die jensens. und über allem schwebte proust.


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1 küchen im zwielicht. sofas mit spock-ohren. essen im freudenhaus.

2 prompt von prostituierter mit wasser beworfen worden (so doof wie wir muss man auch erst mal sein).

3 hans sahl bestellen und lesen. ich glaub, der ist toll. next year.

4 zwei paar neue schuhe.

5 goncourt ist und bleibt der beste.


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. via .


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1 sie sei gerade auf einem astrologenkongress gewesen. anstatt mir aber die sterne zu deuten, wippt meine bahnsteigbekanntschaft auf den ballen (sie ist sehr groß und hat ein auffallend freundliches gesicht) und erzählt, sie werde weihnachten in einem kleinen hotel im harz verbringen. als musikalische entertainerin, sie verdiene sich so manchmal etwas hinzu.

2 wissen sie, diese riesenschleife ist ja ein symbol für chanel. und die leute und ich kommen da raus.

3 sie hätten dann leider keine karten mehr für die lesung von suzanne von borsody bekommen. dabei wollte sie unbedingt hin, denn ihr würde immer wieder gesagt, sie sähe suzanne von borsody sehr ähnlich. in dem moment wurde mir klar, dass sie tatsächlich wie suzanne von borsody aussieht. in dem moment wurde mir klar, dass ich vielleicht auch gern ein bisschen wie suzanne von borsody aussehen würde. ich werde nie mit berühmtheiten verwechselt. nur manchmal von hinten für jemanden anderes gehalten (hey sibylle! ...oh, entschuldigung.).


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1 frau muck erzählt, letzte nacht sei sie aufgewacht, weil sie sich plötzlich wie ein kochtopf fühlte. wie ein kochtopf voll brodelnden wassers. am nächsten morgen sei das wasser aber wieder beruhigt gewesen.

2 meine jacke sehe aus wie ein fürchterlich grünes steppbett, sagte wolfi, und mir wurde klar, dass ich den anschluß an die peergroup endgültig verpasst hatte. die nächsten wochen lief ich nach der schule in einem sicherheitsabstand von 20 metern hinter wolfi zum bahnhof. ich war ja die geschmacklose grüne daunenwurst. dann kam der winterschlußverkauf. meine mutter kaufte mir, oh wunder, noch eine jacke, zum reinwachsen. ich liess die grüne in den tiefen des kleiderschranks verschwinden und trug nur noch die neue, eine schwarze. vor dem musikraum zupfte mich wolfi eines tages am ärmel: "gute jacke!" wir wurden dann beste freunde. wolfi ist heute modedesigner, ich bin immer noch unsicher beim jackenkauf.

3 waterboarding. waterboarding. waterboarding.

4




die grosse .


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1 sie hält kurz inne, während sie meine waren abrechnet. vier, fünf sekunden, doch lang genug, dass es auffällt. dabei geht ihr blick ins leere, irgendwohin zwischen backmischungen und marmeladen. schwermütig, und als spüre sie plötzlich eine sehnsucht, eine schuld. wenn sie sich genug erinnert hat, rechnet sie weiter und wünscht mit königinnenhafter würde einen schönen tag.

2 pausengespräch mit dem frommen herrn walter über die überfunktion seiner mutter.

3 frau schubert erzählt leise auf dem weg zum parkplatz, wie sehr sie das geräusch von regen auf zeltplanen liebe.

4 London - Der strauchelnde Soul-Sänger Helmut Kohl hat ungeachtet seiner vielen Probleme einen neuen Fan: Karl Lagerfeld. "Er ist eine Stil-Ikone." Deshalb werde seine neue Modelinie dem Sänger huldigen. "Ich mag seine Frisur sehr. Ich nehme es als Inspiration", sagte Lagerfeld. Dabei verglich er Kohl mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot in früheren Tagen. "Er ist die neue Brigitte."
Kohl gilt derzeit vielen als der weltweit beste Soul-Sänger. Allerdings kämpft er mit einer Vielzahl von Problemen, darunter Magersucht, Drogen und einer im Gefängnis sitzenden Ehefrau.


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1 auf der flucht vor den polnischen klerikalfaschisten auf dem klo versteckt. ihnen dann nach einigem abwarten prompt in die arme gerannt, die begegnung aber ohne zwangseinladung und peinliches verhör hinter mich gebracht.

2 charlotte reagierte auf die kritik äusserst gekränkt und zog es vor, die restlichen 10 minuten des unterrichts nicht mehr mit mir zu sprechen. little emotional erpresserin, she is.

3 ob die sechs saufelle von der jagd am wochenende noch im dörrhaus liegen?

4 ein technokrat von begrenzter ausstrahlung.

5 keine post, kein schnee, keine weihnachtsgefühle.


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